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W. REICH

DER EIMBRÜCH

DER

SEJ(ÜRLMORRL

ZUR GESCHICHTEDER
SE^CUEUEMÖKONOMIE

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72 Bestätigung der Morgaa - Engelsschen Theorie usw.

3. DIE HEIRATSKLASSENDER AUSTRALNEGER

Bei den Trobriandern haben wir die Institution der geselzliclien

jEbe in Form_j3er Kreuz- Vetter-Basen Heirat angetroffen, die bei die-

sem Stamme ein Mittel ist zur Wettmachung der Last des Heiratstri-
butes des Bruders (und seines Clans) an den Gatten seiner Schwester

(und dessen Familie) : Sein Sohn muss seine Nichte (Schwcstcrtoch-
ter) heiraten, damit das Heiralsgut zu ihm wenigstens teilweise zu-
rückkehre. Wir sahen ferner, dass diese Eheeinrichtung, ursprünglich
als Tributwettmachung, beim Häuptling, der das Vorrecht der Po-

lygamie besitzt, in einen Mechanismus der Akkumulation von Gütern
in seiner keimhaft patriarchalischen Familie umschlägt. Es liegt nicht

mehr blo ss ein Entl astu ngsmechanismus für ihn, sofern er Bru-
der ist, sondern bereits mehr, ein Bereich erung smechanismus
vor, soweit er selbst Vater und beginnender Patriarch ist. Wir dürfen

"nun, wenn wir bei irgend einem anderen Stamm die Kreuz-Vetter-
Basen-Heirat antreffen, darauf schliessen, dass sie auch hier zuerst
die Funktion der Entlastung von Tribut erfüllt, um dann später in
einen Bereicherungsmechanismus umzuschlagen.

Die Kreuz- Veiter-Basen-Heiratsinstitution lässt sich nun lückenlos
aus den von Morgan in der »Urgesellschaft« beschriebenen Heirats-
klassen der australischen Kamilaroi erschliessen. Es bedurfte vieler
Bemühungen, ehe es gelang, das so sonderbare und komplizierte Sy-
stem der australischen Heiratsklassen al^ einfachen Ausdruck der
allgemeinen Institution der »gesetzlichen« Kreuz-Vetter-Basen-Heirat
festzustellen. Ist aber dies einmal geglückt, so besteht bei der son-
stigen Ähnlichkeit der Organisation der Australier mit der der Tro-
briander kein Zweifel, dass auch das Heiratsgut in irgendeiner Form
von Clan zu Clan existiert. Sonst hat die ganze komplizierte Heirats-
klassenordnung keinen Sinn.

Wir geben zuerst Morgans Schilderung wieder. Die Kamilaroi
sind in sechs Gentes eingeteilt, die sich betreffs der Heirat in zwei
Abteilungen gliedern:

I. 1. Inguaneidechse (Duh), 2. Känguruh (Murriira), 3. Opossum
(Mute).

II. 4. Emu (Dinoun), 5. Wasserhuhn (Bilha), 6. Schwarzschlange
(Nurai).

Ursprünglich war es den drei Gentes nicht gestattet, untereinander

zu heiraten, weil sie Aufteilungen einer Ur-Gens waren. Es gab
also ^rsj)rüng!iclv nur zwei Gentes. Wir würden die späteren nicht

Gentes sondern Phratrien nach dem Muster der griechischen nennen.
Neben der Einteilung in zwei Ur-Gentes und sechs in zwei Gruppen

geteilte Tochter-Gentes besteht noch eine Einteilung in Heirats kl assen.

Jede der Ur-Gentes enthält vier Heiratsklassen, also zusammen acht.

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Die HeiratsklasseD der Australneger 75^

und zwar nach Geschlechtern geteilt vier männliche und vier weibliche..
Die acht Klassen sind:

Männlich: Weiblich:

1. IppaiV^ /** 'PP^'^
2. KumboV^:^ 2. Buta
3. Murri i-/" ^ 3. Mata
4. Kubbi»/ -^4. Kapota

Jede männliche und jede -weibliche Heiratsklasse (1, 2. 3 und 4)

enthält die entsprechenden Brüder und Schwestern gesondert. Also

sind Ippai und Ippata, Kumbo und Buta, Murri und Mata, Kubbi und
Kapota jeweils Brüder und Schwestern und dürfen einander nicht

heiraten. Aber auch sonst dürfen sie nicht beliebig heiraten, was

durchaus der Clanorganisation widerspricht, nach der jeder aus Clan

A jeden aus Clan B heiraten dürfte. Paarungen sind nur gestattet
zwischen

:

Ippai und Kapota
Kumbo und Mata
Murri und Buta
Kubbi und Ippata

Dreiviertel ist also ausgeschlossen {darunter ein Viertel der Brüder

bzw. Schwestern), und nur ein Viertel steht der Objektwah! frei.

Das System wird noch komplizierter: Während die Kinder, da Mutter-
folge herrscht, in der mütterlichen Gens verbleiben, gehen sie —
innerhalb dieser Gens —in eine andere Heiratsklasse als die ihrer
Mutter über, und zwar:

Männlich Weiblich Männlich Weiblich

Ippai heiratet Kapota. Ihre Kinder sind Murri und Mata

Kumbo heiratet Mata. Ihre Kinder sind Kubbi und Kapota
Murri heiratet Buta. Ihre Kinder sind Ippai und Ippata

Kubbi beiratet Ippata. Ihre Kinder sind Kumbo und Buta

Bei der Verfolgung der Abstammung finden wir, dass in der

weiblichen Linie Kapota immer die Mutter von Mata, und Mata

wiederum die Mutter einer Kapota ist; ebenso ist Ippata die Mutter

von Buta und diese wieder immer die Mutter einer Ippata. Bei den

männhchen Klassen ist es ebenso.
Die Kamilaroi leiten die zwei ursprünglichen Gentes von. zwei

Ur-

müttern ab. Der Zusammenhang jedes Kindes mit einer bestimmten

Gens wird auch durch das Heiratsgesetz dargetan. Klassen
und Ur-

Gentes verhalten sich wie folgt:

Ur-Gens I (Iguan, Känguruh, Opossum), eine Urmutter.

Klassen: Murri, Mata, Kubbi und Kapota.

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